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» 08.08.2008 01:09

Die Höllenschlucht


Himmel und Hölle

Bepackt mit allerlei nützlichen (Fotoapparat, Proviant, etc.) und unnützen (Bikini, Strandtuch) Dingen, leicht übernächtigt aber hochmotiviert, standen am Sonntagmorgen vier wanderlustige Kurzzeit-Canarios am Busbahnhof und warteten auf den Express in die Hölle.

Im wahrsten Sinne des Wortes, denn „Barranco del Infierno“ bedeutet soviel wie „Höllenschlucht“. Maria, Romaine, Ronja und Manuel nahmen den Bus von Puerto de la Cruz nach Playa de Las Américas und von dort aus weiter nach Adeje.

Dort angekommen ging es gleich richtig los: Um zum Eingang der Schlucht zu gelangen, mussten wir einmal quer durch das Dorf, immer schön bergauf. Dieses Wegstück ließ uns fast schon an der Richtigkeit unseres Vorhabens zweifeln, doch wir sollten belohnt werden.

Der erste Teil des leicht zu laufenden Pfades schmiegt sich eng an den Hängen entlang und schlängelt sich in leichten Kurven immer weiter in die steil aufragenden Berge hinein.

Während sich links zerklüftete Steilhänge erheben, die von Höhlen unterschiedlichster Größen durchzogen und mit reichlich Kakteen bewachsen sind, geht es auf der rechten Seite des Weges steil in die Schlucht hinunter.

Immer wieder kommt man zu kleinen Aussichtsplattformen, die sich bestens für spektakuläre Fotos mit Blick in die Schlucht auf der einen Seite und Adeje samt dahinterliegendem Meer auf der anderen Seite eignen.

Je weiter man sich in die Höllenschlucht hineinarbeitet, desto beeindruckender wird die Umgebung. Die Felswände rücken immer enger zusammen während die Vegetation immer grüner wird. Am Ende der Barranco del Infierno befindet sich nämlich die einzige natürliche Wasserquelle ganz Tenerifes. Dementsprechend dicht und vielfältig ist die Pflanzenwelt.

Der zweite Teil der Strecke führte uns entlang eines kleinen Baches, der immer wieder überquert wurde. Richtige Brücken gab es nicht, und so musste man entweder über behelfsmäßig festgenagelte Bretter oder etwas wackelige Steine im Flussbett balancieren um ans andere Ufer zu gelangen. Spätestens jetzt waren wir froh, festes Schuhwerk an den Füßen zu haben, da es einiger kleinerer Kletteraktionen bedurfte um sich weiter in Richtung der Quelle zu bewegen.

Besonders interessant wurde es, als sich vor uns ein „Pflanzentunnel“ auftat – ein kleines Stück des Weges ist komplett überwuchert und man muss sich ducken um unter dem dichten, grünen Dach hindurch zu kommen.

Der Kontrast zwischen dieser so lebendigen, dicht bewachsenen Landschaft und der kargen, graugelben Steinwüste rund um Playa de Las Américas könnte größer nicht sein und war deshalb umso beeindruckender.

Schneller als wir dachten, hatten wir dann unser Ziel erreicht: Am Ende der Höllenschlucht stürzen sich zwei meterhohe (bis 80m) Wasserfälle in die Schlucht, die je nach Jahreszeit und Niederschlägen mal mehr, mal weniger Wasser führen. In jedem Fall ist es faszinierend im trockenen Süden der Insel solch ein Paradies zu finden.

Da die tägliche Besucherzahl des Reserva Natural Especial de Barranco del Infierno streng begrenzt ist, begegnen einem auf der relativ leichten Wanderung nur wenige andere Menschen. Man hat also die Möglichkeit, die atemberaubende Schönheit der Barranco voll zu genießen, ohne sich dabei gegenseitig auf die Füße zu treten wie es bei manch anderen Sehenswürdigkeiten der Insel der Fall ist.

Nach einem kurzen Aufenthalt am Ende der Schlucht traten wir dann den Rückweg an und der Ausgang war auch verhältnismäßig schnell erreicht. Alles in allem waren wir hin und zurück gute zwei Stunden unterwegs.

Der eigentliche Plan bestand darin, sich nach der Wanderung am Strand zu erholen (deshalb auch die Badesachen im Gepäck), allerdings wollte das Wetter nicht so wie wir. Unser Ausflug endete also etwas früher als erwartet und wir machten uns auf den Rückweg nach Puerto de la Cruz.