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Embarcación de Virgen del Carmen Wir hatten im Vorfeld ja schon einiges über die „Embarcación de la Virgen del Carmen“, das wichtigste Fest des Jahres in Puerto de la Cruz, gehört. Um auch richtig ins Bild zu passen, besorgten wir uns, wie alle anderen Einwohner Puerto de la Cruz`, Tshirts, auf denen die Virgen del Carmen abgebildet war. Nachdem am Abend zuvor schon ordentlich auf der „Sardinada“ gefeiert wurde, traffen wir uns dann am Dienstag, den 11.06.2006 gegen 12:00 Uhr, um gemeinsam Richtung Plaza del Charco und Hafen zu gehen. Dort angekommen konnten wir uns dann ziemlich schnell eine genauere Vorstellung von dem was uns erwartete machen. Zu Hunderten hatten sich die Menschen, alle im Virgen del Carmen Tshirt und kurzen Hosen oder im Badezeug rund um das Hafenbecken auf der Mole versammelt. Im Becken selber fanden sich zig geschmückte Boote, alle Arten von Wasserfahrzeugen, über Jetskis bis hin zu Gummireifen und Luftmatrazen. Jeder gönnte sich mindestens einmal eine Abkühlung im Hafen, da das Wetter an diesem Tag außerordentlich schön war – keine einzige Wolke ließ sich am Himmel blicken. Wir verbrachten den Tag damit uns unter die Leute zu mischen, von der Hafenmauer ins Wasser zu springen, leckere Tapas und Bocadillos zu genießen und auch das eine oder andere Bier zu trinken. Trotz der großen Hitze waren die Badesachen einschließlich der restlichen Klamotten auch Stunden später noch nicht getrocknet: entweder wurde man wieder ins Wasser geschubst oder mit Bier geduscht. Nicht selten kam es vor, dass man gleich einen ganzen Becher drüber bekam und sich schleunigst dafür revanchierte. Eine Straße vom Hauptschauplatz entfernt, fand man das jüngere Publikum dieses Festtages. Mit Bongotrommeln, südländischen Rhythmen, weiteren Bierduschen und Wasserpistolen feierte man hier wesentlich ausgelassener und lauter. Ebenso wie am Plaza del Charco, wo sich unter einem Balkon eine Horde Menschen eingefunden hatte, die regelmäßig und unter lautem Grölen mit eimerweise kaltem Wasser aus dem 3. Stock abgekühlt wurde. Gegen 18:30 Uhr ging dann die eigentliche Feier los. Von weitem konnte man langsam die Heiligenfigur San Telmo in einem langen dunklen Samtcape herannahen sehen. Sie wurde von ca. 10 Männern und Frauen auf den Schultern getragen, die sich langsam im Wiegeschritt vorwärts bewegten. Kurz danach kam dann auch die Hauptperson des Festes in unser Blickfeld. Die Virgen del Carmen wurde auf einem noch größeren Podest getragen das feierlich mit Blumen geschmückt war. Beide Figuren waren zuvor nach einem Gottesdienst aus ihren Kirchen geholt worden und prozessierten nun langsam in Richtung Hafen. Es stellte sich heraus, dass wir außerordentlich gute Plätze ergattert hatten. Die beide Schutzheiligen kamen genau auf uns zu und hielten beide vor einem kleinen, wunderschön geschmückten Altar, der ca 20m von uns entfernt an einer Hauswand aufgebaut worden war, an und „drehten sich“ zu ihm um. Kurz darauf begann auf dem Balkon genau über den Figuren der auf den Kanaren sehr bekannte Sänger Chago Melián das „Ave Maria“ zu singen. Spätestens jetzt war bei allen eine Gänsehaut zu erkennen un bei einigen Leuten sah man sogar Tränen in den Augen. Nachdem Chago Melián seine Darbietung mit „¡Viva el Virgen del Carmen!“-Rufen beendet hatte und das ganze Publikum einstimmig mitjubelte, drehten sich die Figuren wieder und wurden den kurzen Strand runter ins Hafenbecken getragen. Dort wurden sie unter dem Gejubel der Massen und heftigen Wasserspritzen auf zwei Boote getragen und machten sich in Begleitung vieler kleiner Boote auf in Richtung offenes Meer. Während eines kurzen, traditionellen Zwischenfalles, versuchte ein Boot aus Los Realejos samt Insassen die Statue der Virgen del Carmen zu entführen. Die Geschichte besagt, dass Los Realejos und Puerto de la Cruz gleichzeitig die Anfertigung einer Virgen del Carmen in Auftrag gegeben hatten. Als beide fertig waren, war man in Puerto de la Cruz der Ansicht, dass die Figur für Los Realejos viel schöner sei – und nahm kurzerhand diese mit. Das wollten sich die Menschen in Los Realejos nicht gefallen lassen und versuchen nun seit jeher an diesem Festtag die Virgen del Carmen aus Puerto de la Cruz zu entführen – bisher aber ohne Erfolg. Nachdem die Boote das Hafenbecken verlassen hatten ging es erstmal etwas beschaulicher los. Ein Teil von uns ging kurz nach Hause um sich etwas Frisches anzuziehen und zu duschen. Anschließend traf man sich wieder bzw. musste sich in dem Getümmel erstmal finden. Einige zog es auf den angrenzenden Rummelplatz zum Karussellfahren, die anderen stürzten sich wieder in die Menschenmenge und gönnten sich noch ein paar Bier. Nach gut 12 Stunden non-stop feiern in der prallen Sonne merkte man dann doch langsam die Müdigkeit durchkommen – auch, dass alle von uns am nächsten Morgen arbeiten mussten bzw. Sprachunterricht hatten war im Hinterkopf noch präsent. Einige Ausdauernde unter uns schafften es dann tatsächlich noch, bis um 4 Uhr morgens weiter zu feiern während der Rest sich irgendwann zwischen 12 und 1 Uhr nachts müde, leicht angeheitert, teilweise sonnenverbrannt und mit nach Bier riechenden Haaren nach Hause schleppten. Nicht umsonst wurden wir vor diesem Feiertag „gewarnt“...es war ein großartiges Fest, dass uns neben einer Menge Spaß, mal wieder einen tollen Einblick in die tief verwurzelten Traditionen der Canarios gewährt hat und uns sicher ewig in Erinnerung bleiben wird. ¡Viva el Virgen del Carmen! |